Probleme in Billund

Bei meinem letzten Besuch in einigen großen Spielzeugläden viel mir auf, dass die Regale in der Abteilung für Produkte des dänischen Brick-Herstellers wie leer gefegt waren. Warum nur, frage ich mich. Das war doch im letzen Jahr nicht so kurz vor Weihnachten. Aus verschiedenen Pressemitteilungen in letzter Zeit war dann folgendes zuerfahren.
Nach erfolgreicher Sanierung des angeschlagenen Konzerns wurde der dänische Spielzeughersteller von einer unerwarteten Nachfrage im diesjährigen Weihnachtsgeschäft überrascht und hat erhebliche Lieferschwierigkeiten. Mitte der 90er Jahre war das Unternehmen in die Krise geraten, nachdem man mit dem Markennamen LEGO® u.a. Filme, Videospiele, Fahrräder usw. auf den Markt brachte, die mit der eigentlichen Klötzchenherstellung nichts zu tun hatten. Beliebte Themenprodukte wie LEGO®Piraten, LEGO®Ritter und LEGO®Stadt wurden nicht weiterentwickelt, neue interessante Themen kamen nicht mehr dazu. Selbst der Versuch mit komplizierter digitaler Elektronik im Markt zu bleiben scheiterte kläglich. Im Jahre 1998 erwirtschaftete der Traditionskonzern erstmals in der Firmengeschichte einen Verlust. Die Verluste summierten sich bis 2004 auf fast 250 Millionen Euro. Im selben Jahr startete das Unternehmen ein umfangreiches hartes Sanierungsprogramm und kehrte zurück auf sein Kerngeschäft mit den klassischen Plastik-Bausteinen. Die Zahl der Arbeitsplätze die im Jahre 2003 weltweit noch bei 8500 lag wurde um mehr als 1500 Arbeitsplätze verringert und soll im Jahr 2010 nach Abschluss der Neuordnung des Unternehmens bei 3000 liegen. Ein Großteil der Produktion wurde nach Tschechien und Ungarn verlagert. Der größte Teil der Produkte wird künftig von Dritten wie der Firma Flextronics aus Singapur hergestellt. Am Stammsitz in Billund in Dänemark sollen nur die Produkte LEGO®Technick und LEGO®Bionicle gefertigt werden. Des weiteren wurde die Mehrheit der Anteile an den vier Legoland-Freizeitparks verkauft.
Da infolge der erfolgreichen Gesundschrumpfung erhebliche Kapazitäten abgebaut wurden, konnte schon seit Anfang des Jahres nicht flexibel auf die unerwartet große Nachfrage reagiert werden. Jetzt ist die  Produktion komplett ausgelastet und es kommt zu ernsthaften Lieferschwierigkeiten. Besonders nachgefragte Produkte können nun im Weihnachtsgeschäft nicht in ausreichenden Mengen geliefert werden.  LEGO®Polizei und LEGO®StarWars gibt es in vielen Läden schon nicht mehr (30 % der in Deutschland verkauften LEGO® Produkte sind aus der Reihe LEGO®StarWars). Das Unternehmen wurde von der unerwarteten Nachfrage überrannt. Trotz des hohen Absatzes soll es laut Unternehmensleitung keine Preiserhöhungen geben. Könnten alle Käuferwünsche befriedigt werden, würde der Absatz laut Konzern, doppelt so hoch steigen. Für die Zeitspanne von Januar bis Juni 2006 hat das Unternehmen ein Umsatzplus von 19 % bekannt gegeben, dass Halbjahres-Ergebnis vor Steuern lag bei etwa 32 Millionen Euro.
Bleibt nur zu hoffen, dass der bei Klein und Groß beliebte Brick-Hersteller die Probleme 2007 in den Griff bekommt und die Regale in den Spielzeugläden wieder gefüllt werden. In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Einkaufszeit und ein schönes Weihnachtsfest.

Posting in english 

5 Gedanken zu “Probleme in Billund

  1. Schade er meldet sich nicht mehr !

    @Commander Gree

    Kanns vllt sein das du frühere mal Commander Deviss warst ? 😛

Kommentare sind geschlossen.