Verpackungen, Volumen und ne Menge gelagerte Luft

Wie bereits einige Male erwähnt, fällt mir bei dem Öffnen eines LEGO Kartons immer wieder auf, dass die Verpackungsgröße bzw. das Verhältnis der Verpackungsgröße zum Inhalt in keiner Weise angemessen ist. Rein vom Gefühl passen die verschweisten Plastebeutel, die neben der Bauanleitung und diverser Sticker die vermeintliche Masse des Inhaltes darstellen, mindestens drei- bis viermal in die entsprechende Set-Verpackung.

Ob da hinter ein psychologischer Marketing Trick steckt, nach dem Motto: „Große Verpackung, viel Inhalt.“ oder die Darstellung des Inhaltes nicht anders bzw. platzsparender realisiert werden kann, oder beides zusammen sei mal dahingestellt. Aber ich habe in den letzten Monaten, wenn nicht sogar Jahren, nicht selten einen LEGO Kasten geöffnet ohne das Gefühl zu haben: „Hier wird in Pappe gelagerte Luft verkauft!“
Ein schönes Beispiel sind Großbestellungen. Wenn mal wieder von Amazon eine Bestellung mit 5 Stück eines Sets bei mir ankommt, ist es ein Leichtes den Gesamtinhalt aller Verpackungen in eine Verpackung zu verstauen.

Das bedeutet das prinzipiell 4 Verpackungen umsonst hergestellt, gelagert, versendet und dem regionalen Entsorgungsunternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Verdammt nochmal! Was soll das?

Dazu kommt, dass die Verpackung nicht nur aus recyceltem Altpapier besteht. Etliche Chemikalien (ich bin nicht vom Fach) werden verwendet um das Ganze auf Hochglanz, in Farbe und in entsprechender Qualtiät zu fertigen. Wiederum bedeutet das einen vierfach höheren Verbrauch an eben diesen Mitteln. Ganz zu schweigen von der nicht geahnten Umweltbelastung.

Box 8077

Hier mal als Beispiel das Set 8077.
Inhalt: 4 Tüten, Bauanleitung, Aufkleber
Raumausnutzung: Wenn man den Kasten hochkant stellt, legt sich der gesamte Inhalt auf das untere Viertel der Verpackung.

Ein weiterer Punkt der mich an der überdimensionalen Verpackungsgröße stört, ist die damit notwendig werdende Lagerfläche. Da ich mir oft Sets mehrfach kaufe, aber nicht gleich öffne, liegen diese erstmal eine gewisse Zeit rum. Und Das kostet zunehmend Platz, den ich nicht habe.

Als 2011 die PotC Sets herauskamen konnte man tatsächlich eine Optimierung der Verpackungsgröße feststellen. Aber leider wirklich nur bei diesen Sets. Warum wurde die Anpassung nicht auch auf andere Themenbereiche übertragen?

Auch gibt es Ausnahmen bzw. begründete Exemplare die die Regel bestätigen. So verstehe ich sehr wohl, dass die Verpackungen bei den LEGO – Games (Bsp.: Creationary, Champion etc.) größer gestaltet sind, um wie bei einem normalen Table-Top Spiel alles wieder nach dem Spielen entsprechend verstauen zu können.
Auch die 2010 erschienenen Racers Sets (z.B.: 8198) mit ihren funktionablen Verpackungen stellen eine Ausnahme dar und sind nicht repräsentativ für die Verpackungsphilosophie von TLG.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass die Konkurrenz (Playmobil) die Verpackungstechnik genauso hält. Hier könnte man sagen, dass liegt an den großen Elementen. Wobei das wohl auch nur eine Ausrede wäre.

Fazit: Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf an einem Problem, welches vermutlich bewusst im Rahmen des Marketing einkalkuliert ist.

Update #1 – 14.06.2012: Antwort von LEGO CEE Team Jan Beyer vom 11.06.2012

Zitat:
„Hallo, wir arbeiten konstant daran das Erlebnis zu verbessern als auch die Umwelt zu schonen. Deswegen haben wir die Verpackungsgrössen angepasst – ihr werdet mehr davon sehen – um den verbrauchten Platz beim Transport zu optimieren.

Es ist aber trotztdem immer noch so, dass der Preis eines Sets sich auch irgendwie in der Verpackungsgrösse wiederspiegelt – das ist leider so und wird sich wohl auch in absehbarer Zeit nicht ändern, da sowohl der Kunde als auch der Handel dieses wünscht.

Jan“

10 Gedanken zu “Verpackungen, Volumen und ne Menge gelagerte Luft

  1. Dazu sei aber fairerweise zu sagen, dass die Verpackungsgröße in den letzten Jahren doch abgenommen hat. Die Verpackungen sind auf jeden Fall dünner geworden. Das nimmt schon einmal weniger Lagerungsbedarf ein. Natürlich ist aber der Materialverbrauch dadurch nicht wirklich gemindert, da die Größe der Grundfläache ja gleich blieb. Inwiefern das mit der Abnahme der Teileanzahl pro gleicher Verpackungsgröße korreliert, kann ich nicht sagen.

    Desweiteren sind die Exlusivsets relativ gut im Ausfüllen ihrer Verpackung.

  2. Kann hier mal aus „eigener“ Erfahrung posten. Der Betrieb bei dem mein Vater arbeitet, hat eine kleine aber feine Spielzeugsparte. Kennt jeder, werde aber den Namen hier jetzt nicht nennen. Vor einigen Jahren wurde hier dieselbe Überlegung angestellt: Eigentlich könnten wir doch die Packungen kleiner machen, da wir ja eigentlich „gelagerte Luft“ verkaufen.
    Nach ca. einem Monat wurde dies wieder rückgängig gemacht. Grund: starker Einbruch der Absatzzahlen.
    Als die Packungsgrößen wieder verändert wurden, pendelte sich der Absatz wieder auf dem vorigen Niveau ein.
    Es scheint also, das der Kunde darauf getrimmt ist, große Packungen für attraktiver zu halten. mit Jedes Kind möchte natürlich auch ein möglichst GROSSES Geschenk bekommen und nicht ein kleines Schächtelchen. Die Oma auf der suche nach einem Weihnachtsgeschenk für ihre Enkel hat sucht dabei nicht nach einer kleinen, dem tatsächlichen Inhalt der Packung angepassten Verpackung , sondern nach einer großen bunten.
    Das Auge isst eben mit.
    Man kann jetzt sicher die Henne – Ei Frage stellen, welche Situation war zuerst da: Der Produzent der mit übergroßen Packungen viel Inhalt vorgaukelt, oder der Produzent, der merkt, dass sich sein Produkt besser verkauft, wenn er größere Verpackungen nimmt?

  3. Ein Teufelskreis.

    Trotzdem unverantwortlich. Allerdings von beiden Seiten. Sowohl Konsument als auch Produzent. Insbesondere bei aktuellen Energiedebatten kann ich ein solches Vorgehen trotz der Erklärung nicht nach voll ziehen.

  4. @all
    Bei lego kann man ehrlich gesagt vielen nich wirklich nachvollziehen.
    Ich kann mir nur vorstellen das die Verpackungsgeschichte nur einen psychischen aspekt auf den kunden haben soll. täuschung durch verpackung größer = besser = höhreren absatz.
    Von den roten zahlen ist lego ja immernoch nicht runter obwohl sich in der führung ja so einiges geändert haben soll. traurig für das belieteste Spielzeug der welt.

  5. Vermutlich liegt die Erklärung der Verpackungsgröße einfach nur in der maschinellen Befüllung der Kartons. Vielleicht waren die PotC-Sets ein Testlauf, der nicht positiv verlaufen ist!? Diesbezüglich ist es wichtiger, dass die Produktion schnell abgewickelt werden kann. Arbeitszeit ist teurer als Pappe!

  6. Das ist reine Verkaufspsychologie. Eine „Großpackung“ wirkt natürlich attraktiver bei einem Preis von z.B. 130 Euro, als wenn sie nur halb so groß wäre. Da kommt schnell der Verdacht auf Überteuerung auf, obwohl es natürlich nicht der Fall ist.
    Dumdidum hat oben ja das passende Beispiel schon gebracht. Der Käufer möchte einfach „betrogen“ werden, was die Relation zwischen Packungsgröße, Inhalt und Preis angeht.

  7. Hierbei scheint ein generelles Umdenken von Nöten zu sein. Sowohl auf Hersteller- wie auch auf Konsumentenseite. Natürlich sind große Verpackungen reizvoll, weil sie viel Inhalt suggerieren, und viel Platz für Werbung bieten. In der Lebensmittelbranche hingegen würden diese „Mogelpackungen“ von Verbraucherschützern womöglich schnell enttarnt gleich an den Pranger gestellt. Hier ist es leider anders. Aber auf der anderen Seite ist der produktionstechnische und logistische Aufwand sicherlich ein höherer. Der sich aber noch immer zu rechnen scheint, denn der Kunde zahlt diesen ja mit.

    Auch wenn man sich überall für Umweltschutz und Nachhaltigkeit stark machen will, Spielzeugverpackungen sind für Kinder immer noch am schönsten, wenn sie größer als sie selbst sind. Wir waren auch mal Kinder und fanden das auch toll.

    Aber dennoch fand ich den eingeschlagenen Weg bei den PotC-Sets auch zeitgemäßer.

  8. Hi,
    ich geb mal auch meinen Senf dazu 😀
    es ist schon klar, dass das nicht wirklich gut für die Umwelt ist, besonders jetzt nicht, aber was soll man halt machen, wir, das Volk, sind doch die dummen. Angenommen wir sehen zwei Chipstüten mit dem selben Preis, die eine ist größer und die andere kleiner. Jeder greift doch instinktiv nach der größeren. Ist halt so 😛 . Aber Lego könnte die Verpackungen viel kleiner Herstellen, und noch ein leines großes Umweltzeichen drauftstempeln und zack schreiben die wieder schwarze zahlen, so die Theorie aber Praktisch siehts da leider schlechter aus 😛 . Am besten gebrauchte Dinger kaufen, das ist doch das Beste, Umweltschonend (er) einkaufen und das auch noch billerger :DD

  9. Eine weitere erhebliche Kostenersparmöglichkeit betrifft die Bauanleitungen. Besonders in den Sets für die Jüngeren werden pro Schritt nur sehr wenige Steine verbaut. Man könnte die Anleitung ähnlich übersichtlich auch in maximal der Hälfte der Seiten unterkriegen. Bei den großenn Sets ist das nicht ganz so extrem, aber ein Drittel könnte auch hier locker kürzen.

    Dass so viel Luft verkauft wird, sehe ich auch eher kritisch. Besonders, wenn man bedenkt, dass das Chassis 8860 in einem relativ prall gefüllten Karton mit dem von vielen vermissten Klappdeckel und dem Plastikeinsatz mit Einzelteilen verkauft wurde. Letzterer ist aus umweltpolitischen Gesichtspunkten tatsächlich grenzwertig.

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