LEGO® Steine: Obsoleszenz… wohl kaum!

1985…nein 1984, oder war es vielleicht doch 1983? Ich weiß es nicht mehr genau. Fakt ist, dass in den frühen Achtzigern des letzten Jahrhunderts erstmalig ein LEGO® Kasten in unser Spielzimmer vordrang, dessen Inhalt es schaffte sowohl eine anhaltende Faszination als auch einen nie nachgebenden Baudrang zu etablieren. Auf den Punkt gebracht sind das mal eben 30 Jahre Baumeister-Tätigkeit. Mittlerweile drei Generationen an LEGO Enthusiasten und viele ungläubig, lächelnde Gesichter die nicht verstehen was wir eigentlich machen und wo der Drang zum Weitermachen seinen Ursprung hat.

Immer wieder fällt mir auf, dass bestimmte Steine zwar nicht ganz mein Alter haben, aber mich immerhin schon seit Jahrzehnten begleiten. Und dazu gesellen sich verständlicher Weise immer mehr. Die Vita dieser Steine lässt sich sehen. Ob in früheren Projekten, Langzeitprojekten wie Grimmhavn oder in unsern neueren Modellen. Verwendung gibt es für die „Ur-Gesteine“ immer.

Manchen von ihnen sieht man die Erfahrung sprichwörtlich an. So z.B. die „Alt“-Grauen (Bild 1) und älteren weißen Steine, die alle samt mit der Zeit vergilben. Unabhängig davon verlieren aber die wenigsten an ihrer Stabilität. Selten, besser gesagt fast gar nicht, habe ich feststellen müssen, dass ein Stein der mich augenscheinlich schon länger begleitet, bei neuen Projekten nicht passt. Weil sich die Struktur und die Form, also die „Passgenauigkeit“ geändert hätte.

LEGO Farbunterschiede
Bild 1

In Anbetracht des, durch unserer Gesellschaft gelebten, Turbokapitalimus (ja, auch du bist beteiligt) und der aus wirtschaftlicher Betrachtung festverankerten und vor allem geplanten Obsoleszenz in diesem System, muss man zwangsweise feststellen, dass der Stein an sich, ein äußerst qualitativ hochwertiges Produkt ist. Eigentlich passt es so gar nicht in unsere Wegwerf-Gesellschaft, dass ein Produkt über Jahrzehnte hinweg „funktioniert“.

„Ach nee!“, werden jetzt viele rufen. Und ich rufe zurück: „Doch, genau so ist Das“. Denn tatsächlich ist Das den Wenigstens wirklich bewusst. Bereits im Moment des Gejammers über hohe Preise, vergessen wohl die meisten, dass das Produkt (in seinem Detail: der LEGO Stein) bei guter Pflege (Kinderzähne ausgeschlossen) noch in Jahrzehnten an ihrer Seite liegen wird. Bereit das nächste Projekt anzugehen. Kein Akku, der nicht selbst gewechselt werden kann. Kein Spielzeugarm der ausgerissen werden kann. Kein Bauteil, welches nur durch die Kundenwerkstatt ausgetauscht werden kann, und vor allem muss. Nein, der Stein wird einfach da sein. Ohne dem Verlangen nach einer jährlichen Wartung, oder einem Update.

Und nein, TLG hat mir kein Geld geboten hier die Werbetrommel an zu kurbeln. Das ist ein neutrale Feststellung eines Kunden. Und wie man den Kunden kennt gibt es natürlich auch etwas zu kritisieren. Denn wie ich bereits erwähnte, trifft das oben beschriebene nicht auf alle Steine zu. Viele von euch werden sich noch erinnern können, wie ich das Meer bzw. die blaue Fläche vor Grimmhavn gestaltet habe. Und zwar mit blauen 2×2 Tiles. Mittlerweile hat sich die von Mr.Brick erfundene Variante der Wasserflächen-Gestaltung etabliert, die wesentlich pittoresker wirkt.

Auf jeden Fall wurde ich beim Abbau der Platten leider etwas enttäuscht. Denn gut ein Zehntel aller Steine brach in mehrere Teile, trotz sorgfältiger Demontage, auseinander (Bild 2). Vermutlich Aufgrund der relativ geringen Eigenstabilität und vor allem weil sie Monate bzw. Jahre unter Spannung standen. Interessanter Weise wurde mir hier aber erst bewusst, mit welcher Qualität die Steine gebaut wurden und die Idee zu diesem Beitrag war geboren.

LEGO Defekt
Bild 2

Mag ein Jeder in sich gehen und beim nächsten Mal genau darüber nach denken ob er über hohe Preise meckert. Denn im Gegensatz zu Geld oder besser gesagt zum €uro, hat der gemeine Stein zumindest für mich, nicht an Wert verloren.
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9 Gedanken zu “LEGO® Steine: Obsoleszenz… wohl kaum!

  1. Hallo Bob,
    sehr schöner Beitrag, welchem ich voll und ganz zustimmen kann.
    Manche Farben mögen sich ändern, aber die Steine haben immer noch Ihre Passform.
    Außerdem sind manche vergilbte Steine sehr gut zu gebrauchen. Ich denke da zum Beispiel an die weißen Steine die auf der Fanwelt bei „Mnias Tirith“ zu sehen sind.

  2. Toller Beitrag.
    Da bringst du es wunderbar auf den Punkt. Manchmal habe ich ähnliche Gedanken, aber trotzdem regt man sich erstmal auf wenn man sich Preise zu neuen Produkten anschaut.
    Bitte weiter so.

    MfG

  3. Wenn der LEGO Stein eine Frau wäre, könnte er sich wohl kaum eine schönere Liebeserklräung vorstellen. 😀

    Gut geschrieben.

  4. Sehr gut. Genau so ist es. Lego ist teuer, aber es ist seinen Preis wert. So haben wir es über Jahrzehnte gelernt, darüber denken wir gar nicht mehr nach. Wenn dann mal Lego-Teile wider alle Erwartung und Erfahrung doch kaputtgehen, ist natürlich auch die Enttäuschung umso größer. Im Großen und Ganzen scheint die Firma Lego sich aber des Umstands bewußt zu sein, daß sie nicht absichtlich für die Tonne produzieren muß, um Umsätze zu genereieren, sondern daß die Beständigkeit ihres Produkts ein Markenzeichen ist und Teil des Konzepts. Gut so!

  5. @BrickMax: Schön gesagt. 🙂

    Ich kann dir da nur zustimmen. Natürlich ist das ärgerlich mit den vergilbten Steinen – gerade bei den Weißen – aber das macht auch irgendwo deren Flair aus. Ich besitze Steine, die sind rund 40 Jahre alt und sehen natürlich auch echt übel aus. Zumindest teilweise aber missen möchte ich sie auch nicht.

  6. Guter Bericht. Nur eine Kleinigkeit: Mr.Brick hat die neue Wassertechnik nicht erfunden, die gab es schon einige Zeit vorher auf Eurobricks zu sehen 😉

  7. Hi Hellboy,

    Man müsste mich langsam als jemand kennen der nicht einfach etwas behauptet. 😉

    Tatsächlich bin ich der festen Überzeugung das er die Wassertechnik erfunden hat, denn WIP Modelle dazu gab es von ihm schon vor gut 2 Jahren. Unabhängig davon, habe ich FlickR auf den Kopf gestellt um einen Moc zu finden, das vor dem Outpost datiert ist, und bin nicht fündig geworden. Wenn man mir mit verifizierter Quelle das Gegenteil beweisen kann, nehme ich meine Behauptung gerne zurück.

    MfG

    BoB

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